![]() Die Kjeldahl Methode
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Probenmaterial |
Schwefelsäureverbrauch in |
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Rohrzucker |
8,36 |
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Getreidemehl |
6,27 |
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Gelatine |
17,64 |
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Ölsäure |
19,87 |
Der Verlust durch Verdampfung sollte so gering wie möglich gehalten werden. Am Ende des Aufschlusses liegt idealerweise noch ein Überschuss an unverbrauchter Schwefelsäure vor. In der Laborroutine wählt man zur Vereinfachung eine standardisierte Menge an Schwefelsäure, die bei 1-5 g Probeneinwaage ca. 20 ml beträgt.
Für den Aufschluss nach Kjeldahl wird ausschließlich konzentrierte Schwefelsäure verwendet. Diese siedet azeotrop bei 338 °C (98 %ig). Um eine schnellere Umsetzung zu ermöglichen nutzt man gemäß der Regel von van´t Hoff, dass der Zusatz eines Sulfatsalzes zur Schwefelsäure den Siedepunkt dieser erhöht.
Die Erhöhung der Reaktionstemperatur beschleunigt die Oxidation und damit die Umsetzung zu Ammoniumsulfat gemäß der sog. Arrhenius-Gleichung für die Geschwindigkeitskonstante k der Aufschlussreaktion. Die Aufschlusstemperatur T nimmt demnach direkten Einfluss auf die Geschwindigkeitskonstante k der Reaktion, da beide Variablen durch eine Exponentialfunktion miteinander verknüpft sind. Eine Temperaturerhöhung um 10 °C erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit um den Faktor 2, wenn die Aktivierungsenergie EA = 60 kJ/mol beträgt. Eine Beschleunigung um den Faktor 25 würde bei einer Aktivierungsenergie von EA = 250 kJ/mol resultieren. Typische Abhängigkeiten für unterschiedliche organische Probematrices sind in Abbildung 5 dargestellt. Die Menge an Sulfatsalz [in g] ist gegen die Siedetemperatur aufgetragen.

Abbildung 5: Abhängigkeiten zwischen Siedetemperatur von 20 ml konzentrierter Schwefelsäure und den Mengen an zugesetztem Sulfatsalz in Gramm.
Bei Zusatz von 5 g Kaliumsulfat ergibt sich eine Siedepunkterhöhung von ca. 20 °C bei 20 ml konzentrierter Schwefelsäure. Üblich ist der Zusatz von 10 g Sulfatsalzen dieser Menge an Schwefelsäure, was eine höhere Aufschlusstemperatur ohne größere Abdampfverluste ermöglicht. Standardbedingungen sind 400 °C Einstelltemperatur für den simultanen Aufschluss von bis zu 20 Proben in einem 250 ml Aufschlussgefäß. Die früher dazu verwendeten Schwermetallsulfate werden heute aus ökologischen Gesichtspunkten nicht mehr verwendet, vielmehr hat man eine etwas längere Aufschlusszeit durch die ungefährlicheren Katalysatoren akzeptiert [3]. Als praktisch hat sich die Verwendung von konditionierten Katalysatorgemischen in Tablettenform herausgestellt. Diese werden in den gebräuchlichsten Zusammensetzungen kommerziell angeboten und der konzentrierten Schwefelsäure im Mengenverhältnis 2 Tabletten auf 20 ml Säure zugesetzt.
Artikelnummer Zusammensetzung
12-0328 5,0 g K2SO4 + 0,5 g CuSO4 x 5 H2O
12-0329 5,0 g K2SO4 + 0,15 g CuSO4 x 5 H2O + 0,15 g TiO2
Stellt man im Aufschlusssystem 400 °C Solltemperatur ein, so siedet die konzentrierte Schwefelsäure und erzeugt eine Rückflusslinie/Kondensationslinie an der Glaswand des Aufschlussglases. Diese bewirkt, das eventuell aufgekochte Probenteile wieder zurückgewaschen werden und nach ca. 1-2 Stunden Reaktionszeit der Aufschluss beendet ist, erkennbar an der grünen Aufschlusslösung aufgrund der Kupfersalze (Abbildung 6).
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Aufschlusszeit ca. 1 - 2 Stunden |
Abbildung 6: Farbwechsel der Aufschlusslösung von braun nach grün bei Verwendung von Kupfersalzen beim Säureaufschluss nach Kjeldahl.
Zur weiteren Bestimmung des Stickstoffs wird aus der schwefelsauren Aufschlusslösung durch Zusatz von ebenfalls konzentrierter Lauge (33 %ige NaOH) zunächst quantitativ Ammoniak freigesetzt und dieser aus dieser Lösung abdestilliert.
(NH4)2SO4(aq) + 2 NaOH (aq) -> Na2SO4(aq) + 2 NH3(g) + 2 H2O (l)

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Abbildung 7: Gasbrennerapparatur zur Destillation von Aufschlusslösungen. |
Die technische Umsetzung derartiger Destillationen wurde klassisch mit Gasbrennerapparaturen bewerkstelligt (Abbildung 7). Der Gasbrenner erhitzt das Erlenmeyer-Gefäß und über die Claisen-Brücke wird das Destillat in das Auffanggefäß (tieferstehend, hinter dem Kühler) überführt. Vor der Destillation musste man die schwefelsaure Aufschlusslösung sehr vorsichtig mit konzentrierter Natronlauge unterschichten und noch Wasser zur Verdünnung zusetzen. Dann erst konnte das Aufheizen für die Destillation gestartet werden, wodurch sich die drei Flüssigkeiten Schwefelsäure, Lauge und Wasser in einer stark exothermen Reaktion zum Teil eindrucksvoll vermischen. Das Destillat wird in einen mit ca. 70 ml Borsäure gefüllten Erlenmeyer-Kolben auf der Rückseite der Apparatur aufgefangen und später mit Säure als Maßlösung titriert.

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Abbildung 8: Wasserdampfdestillation mit VAPODESTTM von C. Gerhardt. |
Dieser Destillationsschritt kann unter Verwendung von Wasserdampf als Mitnehmer auf unter vier Minuten verkürzt werden werden. Nach Zugabe von Natronlauge extrahiert eingeleiteter Wasserdampf die leichtflüchtige Komponente Ammoniak aus der Aufschlusslösung (grün) und transportiert den Ammoniak über Verteilerkopf und Schlangenkühler in die Auffanglösung mit Borsäure (pink, Abbildung 8). Hier reagieren Ammoniak und Borsäure stöchiometrisch zu Ammoniumborat, was ein Entweichen des Ammoniaks verhindert. Am Ende titriert man überschüssige Borsäure mit Lauge und kann damit quantitative Rückschlüsse auf den Stickstoffgehalt in der ursprünglichen Probe ziehen.
Auffangen des Ammoniaks mit Borsäure:
NH3 (g) + B(OH)4-(aq) + H+(aq) -> NH4+(aq) + B(OH)4-(aq)
Aus dem Verbrauch an Maßlösung (H+) bei der Titration der überschüssigen Borsäure ergibt sich durch einfache Umrechung der Stickstoffgehalt in Prozent in der anfänglichen Probe.
Zur Berechnung des prozentualen Stickstoffgehaltes in der Ausgangsprobe findet folgende Formel Verwendung:
% N = (ceq * (V - VBL) * M * 100 %) / E
wobei:
ceq Äquivalentkonzentration der Maßlösung [mol/l]
V Verbrauch Maßlösung Probe [l]
VBL Verbrauch Maßlösung bei Blindwert [l]
M- Molare Masse Stickstoff [g/mol]
E Einwaage der Probe [g]
Ein Komplettsystem für eine gesamte Stickstoffanalyse nach Kjeldahl ist zusammenfassend in der folgenden Abbildung dargestellt:

Abbildung 9: Komplettsystem zur Stickstoffanalyse nach Kjeldahl,
bestehend aus 20-fachem Aufschlusssystem KB20 (Mitte) mit Gaswäscher TURBOSOG (rechts) und Wasserdampfdestillationseinheit VAPODEST 50s mit implementierter Titration (links).
Die Stickstoff-/Proteinanalyse nach Kjeldahl stellt sich als eine komplexe, da mehrstufige Analysenmethode dar. Sie dient der Proteinbestimmung in Lebensmittlen und Futtermitteln und ist durch ihre hohe Einwaage universell einsetzbar. Sie hat sich über die Jahre als Referenzmethode in der Lebensmittelanalytik durchgesetzt. Trotz heute verstärkt aufkommender alternativer Methoden, wie z.B. der auch erwähnten Verbrennungsanalyse nach Dumas, ist die Kjeldahlanalyse bis heute dominierend. Und das nicht nur wegen ihrer großen Flexibilität und universellen Einsetzbarkeit bei inhomogenem Probenmaterial, sondern auch wegen ihrer allseits hohen Präzision und Verlässlichkeit.
[1] Zeitschrift für Analytische Chemie, Herausgeber Dr. C. Remigius Fresenius. 22. Jhrg., C.W. Kreidels Verlag 1883. S.366-382 J. Kjeldahl, "Neue Methode zur Bestimmung des Stickstoffs in organischen Körpern".
[2] Abbildung aus dem Katalog von C. Gerhardt aus dem Jahre 1914.